Zum Hauptinhalt springen

Miftahul Ilm – Arabisch lernen online – Online Schule für Arabisch

Was ist Tedschwied

Was ist die Wissenschaft des Tedschwied?

Was bedeutet Tedschwied?

Das Wort Tedschwied bedeutet sprachlich:

Etwas gut, richtig und vollkommen ausführen oder verbessern.

Fachsprachlich bedeutet Tedschwied:

Jeden Buchstaben des Qurans aus seinem richtigen Artikulationspunkt auszusprechen und ihm seine festen sowie situationsabhängigen Eigenschaften zu geben.

Mit den festen Eigenschaften sind Eigenschaften gemeint, die untrennbar zu einem Buchstaben gehören. Die situationsabhängigen Eigenschaften treten dagegen nur unter bestimmten Bedingungen auf, beispielsweise die Verdickung oder Verdünnung eines Buchstabens.

Die Gelehrten des Tedschwied beschreiben dies mit den Worten:

Jedem Buchstaben sein Recht und das ihm Zustehende geben.

Das bedeutet: Der Buchstabe wird aus seinem richtigen Artikulationspunkt hervorgebracht und mit den Eigenschaften ausgesprochen, die zu ihm gehören.

Tedschwied bedeutet daher nicht lediglich, den Quran melodisch oder angenehm klingen zu lassen. Es bedeutet vor allem, die Buchstaben deutlich und korrekt auszusprechen und die überlieferte Art der Quranrezitation zu bewahren.

Was ist das Ziel des Tedschwied?

Das höchste Ziel ist das Wohlgefallen Allahs. Der Muslim bemüht sich darum, das Wort Allahs auf eine Weise zu rezitieren, die seiner Würde und Erhabenheit angemessen ist.

Zu den weiteren Zielen gehören:

  • die Zunge vor Fehlern bei der Rezitation des edlen Qurans zu bewahren,
  • die Artikulationspunkte der arabischen Buchstaben kennenzulernen,
  • die Eigenschaften der einzelnen Buchstaben zu verstehen,
  • die arabische Aussprache zu verbessern,
  • die Regeln der Quranrezitation richtig anzuwenden,
  • den Quran ruhig, deutlich und wohlgeordnet zu lesen,
  • und die Aufmerksamkeit beim Lesen auf die Bedeutungen der Verse zu richten.

Allah, der Erhabene, sagt:

„Ein gesegnetes Buch, das Wir zu dir hinabgesandt haben, damit sie über seine Zeichen nachdenken und damit diejenigen sich ermahnen lassen, die Verstand besitzen.“
[Saad, 38:29]

Das Erlernen des Tedschwied ist somit kein Selbstzweck. Eine gute Rezitation soll dem Verständnis, der Ehrfurcht und dem Nachdenken über die Worte Allahs dienen.

Was sind die wichtigsten Bereiche des Tedschwied?

1. Die Artikulationspunkte der Buchstaben

Die Artikulationspunkte werden auf Arabisch Machaaridsch genannt.

Sie beschreiben die genaue Stelle im Rachen, im Mund, an der Zunge oder an den Lippen, an der ein Buchstabe gebildet wird.

Ein Buchstabe kann nur dann richtig ausgesprochen werden, wenn sein Artikulationspunkt bekannt ist. Besonders für Menschen, deren Muttersprache nicht Arabisch ist, ist dies von großer Bedeutung.

2. Die Eigenschaften der Buchstaben

Die Eigenschaften der Buchstaben werden auf Arabisch Sifaat genannt.

Sie beschreiben, auf welche Weise ein Buchstabe ausgesprochen wird. Dazu gehören beispielsweise:

  • Stärke und Schwäche,
  • Stimmhaftigkeit und Atemfluss,
  • Verdickung und Verdünnung,
  • sowie weitere besondere Eigenschaften einzelner Buchstaben.

Zwei Buchstaben können einen ähnlichen Artikulationspunkt besitzen und sich dennoch durch ihre Eigenschaften deutlich voneinander unterscheiden.

3. Die Regeln der Dehnung

Die Dehnung wird auf Arabisch Madd genannt.

Dabei wird ein Laut für eine bestimmte Dauer verlängert. Je nach Regel kann die Dehnung unterschiedlich lang sein.

Die Länge der Dehnung darf weder unnötig verkürzt noch übertrieben verlängert werden.

4. Die Qalqala

Die Qalqala ist ein hörbares Abprallen des Lautes bei bestimmten Buchstaben, wenn diese einen Sukuun tragen.

Die Buchstaben der Qalqala sind:

ق ط ب ج د

Sie werden häufig mit dem Merksatz zusammengefasst:

قطب جد

Die Qalqala ist keine zusätzliche Vokalisierung. Der Buchstabe erhält also weder ein Fatha, ein Damma noch ein Kasra. Vielmehr wird sein Laut klar hörbar hervorgebracht.

5. Die Regeln des ruhenden Nuun und des Tanwiin

Hierzu gehören Regeln wie:

  • Idhhaar: deutliche Aussprache,
  • Idghaam: Verschmelzung,
  • Iqlaab: Umwandlung,
  • Ichfaa: verborgene oder abgeschwächte Aussprache.

Diese Regeln hängen davon ab, welcher Buchstabe nach dem ruhenden Nuun oder dem Tanwiin folgt.

6. Die Regeln des ruhenden Miim

Auch das ruhende Miim besitzt unterschiedliche Regeln:

  • deutliche Aussprache,
  • Verschmelzung,
  • und verborgene Aussprache.

Welche Regel angewendet wird, richtet sich nach dem darauffolgenden Buchstaben.

7. Verdickung und Verdünnung

Manche Buchstaben werden grundsätzlich kräftiger und voller ausgesprochen, während andere dünner und leichter gesprochen werden.

Bei einigen Buchstaben hängt die Aussprache von ihrer Position und ihrer Vokalisierung ab. Besonders wichtig sind hierbei die Regeln des Buchstabens Raa und des Laam im Namen Allahs.

8. Das richtige Anhalten und Beginnen

Zum Tedschwied gehört auch das Wissen darüber, an welchen Stellen der Rezitierende anhalten darf und an welchen Stellen ein Anhalten die Bedeutung entstellen oder unverständlich machen könnte.

Ebenso wichtig ist es zu wissen, an welcher Stelle nach einer Unterbrechung wieder begonnen werden kann.

Die richtige Aussprache allein genügt daher nicht immer. Auch die Verbindung und Trennung der Verse und Satzteile müssen beachtet werden.

Wie wird Tedschwied erlernt?

Tedschwied wird nicht allein durch das Lesen von Büchern erlernt.

Die Aussprache muss gehört, nachgeahmt und von einer fachkundigen Person korrigiert werden. Der Schüler hört die richtige Rezitation und liest anschließend selbst vor, damit seine Fehler erkannt und verbessert werden können.

Dazu gehören insbesondere:

  1. das genaue Zuhören,
  2. das Nachsprechen,
  3. das Lesen vor einer Lehrperson,
  4. die Korrektur der Aussprache,
  5. das regelmäßige Wiederholen,
  6. und das Trainieren der Zunge.

Die theoretischen Regeln sind wichtig. Ihre eigentliche Frucht zeigt sich jedoch erst, wenn sie beim Lesen richtig angewendet werden.

Warum ist Tedschwied wichtig?

Tedschwied bewahrt die Zunge vor Fehlern bei der Rezitation des Qurans.

Die arabischen Buchstaben besitzen genaue Artikulationspunkte. Wird ein Buchstabe nicht richtig ausgesprochen, kann er einem anderen Buchstaben ähneln oder sogar vollständig in einen anderen Buchstaben übergehen.

Dadurch kann sich die Bedeutung eines Wortes verändern.

Ein bekanntes Beispiel ist der Unterschied zwischen:

قلب – qalb: Herz

und

كلب – kalb: Hund

Der Unterschied liegt zwischen dem arabischen Qaaf und dem Kaaf. Wer beide Buchstaben gleich ausspricht, kann die Bedeutung des Wortes vollständig verändern.

Ein weiteres Beispiel ist:

خلق – chalaqa: er erschuf

und

حلق – halaqa: er rasierte

Hier verändert bereits die falsche Aussprache eines einzigen Buchstabens die Bedeutung.

Das zeigt, weshalb die Artikulationspunkte und Eigenschaften der Buchstaben nicht nebensächlich sind.

Ist das Lesen des Qurans nach den Regeln des Tedschwied Pflicht?

Bei dieser Frage muss sorgfältig unterschieden werden.

Erstens: Die korrekte Aussprache der Buchstaben

Der Muslim muss sich darum bemühen, die Buchstaben und Vokale des Qurans korrekt auszusprechen.

Ein Buchstabe darf nicht absichtlich durch einen anderen ersetzt werden. Ebenso dürfen die Vokale nicht so verändert werden, dass sich das Wort oder seine Bedeutung verändert.

Fehler, durch die ein Buchstabe, ein Wort oder eine Bedeutung verändert wird, müssen entsprechend den Fähigkeiten des Lesenden korrigiert werden.

Zweitens: Die Anwendung aller einzelnen Tedschwied-Regeln

Unter den Gelehrten besteht eine Meinungsverschiedenheit darüber, ob jede einzelne Feinheit der Tedschwied-Regeln für jeden Muslim persönlich verpflichtend ist.

Scheich Muhammad ibn Saalih al-Uthaimien vertrat die Ansicht, dass die Anwendung sämtlicher detaillierter Tedschwied-Regeln nicht verpflichtend sei.

Er sagte sinngemäß:

Wenn jemand den Quran liest, ohne die Worte fehlerhaft auszusprechen, ist dies erlaubt. Tedschwied dient der Verbesserung und Verschönerung der Aussprache. Begeht der Leser jedoch einen Aussprachefehler, muss dieser Fehler korrigiert werden.

Allah, der Erhabene, sagt:

„Und trage den Quran wohlgeordnet vor.“
[al-Muzzammil, 73:4]

Das Wort Tartiil bedeutet, den Quran langsam, deutlich und wohlgeordnet zu rezitieren.

Der Vers zeigt die Bedeutung einer ruhigen und deutlichen Rezitation. Er ist jedoch nach dieser Auffassung kein eindeutiger Beweis dafür, dass jede später in den Fachbüchern beschriebene Einzelregel für jeden Menschen verpflichtend ist.

Andere Gelehrte sind der Ansicht, dass das Rezitieren mit Tedschwied für jeden verpflichtend ist, der dazu in der Lage ist, während das vollständige theoretische Studium der Tedschwied-Wissenschaft eine gemeinschaftliche Pflicht ist.

Zusammenfassend kann gesagt werden:

Die korrekte Aussprache der Buchstaben und die Vermeidung bedeutungsverändernder Fehler sind verpflichtend. Das vollständige theoretische Studium aller Tedschwied-Regeln ist dagegen nicht für jeden Muslim persönlich verpflichtend. Je besser ein Muslim jedoch den Quran entsprechend der überlieferten Rezitation lesen kann, desto vollkommener ist seine Rezitation.

Dabei muss berücksichtigt werden, dass Menschen unterschiedliche Fähigkeiten besitzen. Wer noch lernt, sich aufrichtig bemüht und trotz Schwierigkeiten weiterliest, wird für seine Mühe belohnt.

Der Vorzug einer guten Quranrezitation

Aischa, Allah habe Wohlgefallen an ihr, berichtete, dass der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte:

„Derjenige, der den Quran sicher und gekonnt liest, ist mit den edlen und rechtschaffenen Schreibern. Und derjenige, der den Quran liest, dabei stockt und dem das Lesen schwerfällt, erhält zwei Belohnungen.“

Überliefert bei al-Buchaari und Muslim.

Dieser Hadith zeigt beide Seiten:

Der geübte Leser erhält eine hohe Stellung. Der Lernende, der noch Schwierigkeiten hat, soll dagegen nicht verzweifeln. Er erhält eine Belohnung für das Lesen und eine weitere für seine Anstrengung.

Tedschwied soll den Menschen daher nicht entmutigen, sondern ihn schrittweise zu einer besseren Rezitation führen.

Eine Erinnerung an den Vorzug des Wissens

Abu ad-Dardaa, Allah habe Wohlgefallen an ihm, berichtete, dass der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte:

„Wer einen Weg einschlägt, auf dem er nach Wissen sucht, dem erleichtert Allah dadurch einen Weg zum Paradies. Die Engel senken ihre Flügel aus Zufriedenheit mit dem Suchenden des Wissens. Für den Wissenden bitten die Bewohner der Himmel und der Erde um Vergebung, sogar die Fische im Wasser. Der Vorzug des Wissenden gegenüber dem Gottesdiener ist wie der Vorzug des Mondes gegenüber den übrigen Himmelskörpern. Die Gelehrten sind die Erben der Propheten. Die Propheten hinterließen weder Dinar noch Dirham, sondern sie hinterließen das Wissen. Wer davon nimmt, hat einen reichen Anteil genommen.“

Überliefert bei Abu Daawuud und at-Tirmidhie.

Abschließende Worte

Das Erlernen des Tedschwied erfordert Geduld, Wiederholung und Demut.

Niemand beherrscht die Aussprache aller Buchstaben vom ersten Tag an. Fehler gehören zum Lernweg. Entscheidend ist, dass der Lernende seine Fehler nicht verteidigt, sondern bereit ist, sie zu erkennen und zu verbessern.

Die Regeln sollen die Rezitation nicht erschweren. Sie sollen der Zunge helfen, das Wort Allahs sorgfältig, würdevoll und deutlich wiederzugeben.

Scheich Abu Mikail:

„Wer den Quran nur mit seiner Stimme verschönert, hat vielleicht die Ohren erreicht. Wer aber seine Zunge berichtigt, über seine Bedeutungen nachdenkt und nach ihm lebt, dessen Rezitation erreicht mit Allahs Erlaubnis auch die Herzen. Denn Tedschwied vollendet den Klang der Worte – doch Gehorsam vollendet ihre Wirkung.“